Erdbeben 2014

02. Oktober 2015

Im Oktober verschickt Bruder Paul eine Mail mit neuen Fotos aus Chile.

Die Umgebung um den Kindergarten am südlichen Rand der Stadt wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Nicht wichtige infrastrukturelle Einrichtungen wie etwa dieser Fußballplatz werden vorerst nicht renoviert. Auf dem Grundstück wird zunächste Erde aufgeschüttet um die Hangneigung auszugleichen.

Bilder: Bruder Paul Oden, Chile 2015. Alle Rechte vorbehalten.

11. April 2015

Einen Monat nach seiner Mail schickt Bruder Paul einige Fotos vom ehemaligen Kindergarten "Huellitas". Früher hat die KiTa so ausgesehen.

Erdbeben 2014 - Abriss Huellitas

Erdbeben 2014 - Abriss Huellitas

Erdbeben 2014 - Abriss Huellitas

Erdbeben 2014 - Abriss Huellitas

Erdbeben 2014 - Abriss Huellitas

 Erdbeben 2014 - Abriss Huellitas

Erdbeben 2014 - Abriss Huellitas

 Erdbeben 2014 - Abriss Huellitas

Erdbeben 2014 - Abriss Huellitas

 Erdbeben 2014 - Abriss Huellitas

Erdbeben 2014 - Abriss Huellitas

Bilder: Bruder Paul Oden, Chile 2015. Alle Rechte vorbehalten.

04. März 2015

Bruder Paul schickt eine Nachricht mit der Überschrift "WIE EIN WIRBELSTURM IMMER IM KREIS" an alle Spender und Freunde aus dem deutschsprachigen Raum. Zusammengefasst kann er von Folgendem berichten.

  • In Pozo Almonte (ca. eine Autostunde von Iquique entfernt) kann nach Reparationsarbeiten die Säuglings- und Kinderbetreuung von 200 Kindern wieder aufgenommen werden. Der Staat unterstützte diese Aufbauarbeiten zu 95%.
  • Drei Freiwillige aus Deutschland und Österreich halfen im Dezember 2014 und Januar 2015 bei den Wiederaufbauarbeiten der Tagesstätte "CRASH" in Alto Hospicio (Nachbarstadt von Iquique). Diese Arbeiten wurden nahtlos von Freiwilligen aus Chile und den Missionaren auf Zeit weitergeführt. Auch wenn die Einrichtung noch nicht offiziell eröffnet werden kann, sind Büro, Toiletten und Arbeitsräume für Obdachlose schon in Betrieb, sowie die wöchentliche Armenspeisung und Hausbesuche können gemacht werden.
  • Der Kindergarten "Huellitas", der "schönste Kindergarten" wie ihn Bruder Paul nennt, in dem 147 Kinder bis sechs Jahre betreut wurden, kann kann nicht mehr renoviert und muss abgerissen werden. Ab- und Aufbauarbeiten liegen bei 500.000€. Fördervereine wie "America Solitaria", "Levantamos Chile" (zu deutsch: Bauen wir Chile auf), sowie einige andere Hilfsorganisationen verpflichten sich ihn wiederaufzubauen.

Bruder Paul bedankt sich bei alle Helfern und Spendern.

06. Dezember 2014

Es kommen Weihnachtsgrüße aus Chile. Den aktiven Freiwilligen geht es gut, die Einrichten werden derzeit geprüft ob sie in diesem Zustand weiter genutzt werden dürfen. Zudem gibt es ein Großprojekt für 178 Kinder das in Angriff genommen wird.

27. Oktober 2014

Bruder Paul schreibt, dass in den letzten paar Monaten einiges bei ihm passiert ist. In erster Linie schreibt er davon, was alles rund um seine Haus los ist. Aufräum- und Aufbauarbeiten haben gerade angefangen. Es fehlt zunächst an Geld und an helfenden Händen. Das hat möglicherweise auch damit zu tun, dass viele Mitarbeiter in den persönlichen Kreisen beschäftigt sind.

Zwei Tage zuvor konnte er sich aber mit einer Gemeinde in Alto Hospicio und dem Verein EFAD treffen um die nächsten Schritte vor Ort zu besprechen.

06. April 2014

Am 01. April 2015 werden um 20:46 Uhr Ortszeit Erdbeben mit einer Stärke von 8,8 auf der Richter-Skala gemessen. Da Epizentrum liegt unweit von Iquique, der zweitnördlichsten Stadt Chiles. Es werden Tsunamis ausgelöst die auch die Küste erreichen, aber glücklicherweise nicht die Stadt. Eine Missionarin auf Zeit, eine Freiwillige in der Fundación, berichtet in ihrem Brief von den Geschehenissen:

"Hallo zusammen!

Also falls es zu dem ein oder anderem noch nicht durchgesickert ist; Wir hatten hier im Norden Chiles am Dienstag, 1. April um 20.46 Uhr ein Erdbeben mit einer Stärke von 8,2! Ein zweites Beben folgte am Mittwoch. Erst einmal vorab: Den Menschen aus unserem Haus und mir geht es soweit gut!

Ich war gerade in der Küche und wollte ein wenig Rohkost zuschneiden und plötzlich beginnt der ganze Boden unter meinen Füßen zu wackeln. Ich laufe zum Türrahmen, das Licht geht aus, ich höre wie die Gläser fallen, bekomme Panik, kann mich nicht beruhigen und klammere mich verzweifelt an einem unserer Chilenen fest, der mir sagt, ich solle mich doch beruhigen. Es bebt leicht weiter, wir laufen auf die Straße und ein zweiter kräftiger Schub ruckt durch die Erde. Menschen auf der Straße, einige weinen, die Tsunamisirenen ertönen. Ich bin im Schock, werde vom Mauricio in den Arm genommen und fühle mich gleich ein wenig sicherer. Wir gehen die Straße hoch, heraus aus der Tsunamigefahrenzone. Die gesamte Küste wurde evakuiert. Menschenströme auf der Straße, Mütter mit ihren Kindern, einige mit ihren Haustieren, und sehr gut Vorbereitete mit Taschen und Koffern. Wir sind ohne etwas in der Hand losgezogen. 

Und dann kamen wir im sicheren Bereich an. Dort warteten wir wie tausende anderer Menschen darauf, dass die Gefahr vorüber geht. Doch einige Wellen erreichten auch Iquique. Wir haben uns dann in den Innenhof der Kirche zurückgezogen und gewartet immer in der Befürchtung, dass ein weiteres Erdbeben folgen könnte. Schlafen konnte in dieser Nacht wohl keiner besonders gut. 

Am nächsten Morgen kam dann die Entwarnung. Wir durften zurück in unser Haus. Unser Haus hat glücklicherweise wirklich nicht viel abbekommen. Nur die Vorratskammer war verwüstet und einige Kleinigkeiten wie Gläser oder Bilder sind zu Bruch gegangen. 

In den Kindergarten bin ich natürlich nicht gegangen. Alles war anders: Kaum jemand arbeitete, wir hatten zwei Tage lang kein fließend Wasser und kein Festnetz/ Internet. Die wenigen Bäckereien, die auf hatten, haben das Brot zu Unsummen verkauft. Wasser musste besorgt werden. Und man wusste nicht recht, was man mit so einem Tag anfangen sollte. 

Dann am Mittwochabend, wir waren gerade am Canastaspielen, das zweite Erdbeben! Wir laufen nach draußen, warten verängstigt bis die Erde unter unseren Füßen wieder zum Stillstand kommt, die Tsunamisirene ertönt, wir laufen ins Haus, holen unsere schon gepackten Notfallsachen und begeben uns wieder in die sichere Zone. Dann machen wir uns, wie schon am Vortag, zum erneuten Mal auf zur Kirche, um auch die zweite Nacht dort zu verbringen. In der ganzen Nacht waren kleinere Nachbeben zu spüren und jedes Mal bekam ich Angst, es könnte der Beginn eines neuen starken Bebens sein. 

Am nächsten Morgen wieder ins Haus mit einem ständigem Gefühl der Aufmerksamkeit und Angst. Dann wurde es auch im Radio durchgesagt; ein weiteres, noch stärkeres Beben könnte folgen. 

So sind wir präventiv schon am Nachmittag mit genug Vorrat an Wasser, Essen und unseren persönlichen Gegenständen zur Kirche gefahren und haben dort in relativer Sicherheit auf das nächste Beben gewartet, was letztlich jedoch ausblieb! 

Die letzten drei Nächte habe ich also unter freiem Himmel im Hof des Pfarrhauses übernachtet. Nun bin ich wieder zu Hause, wir haben Wasser (es reicht sogar gerade so zum Duschen! ein herrliches Gefühl!!!) und Internet. Alltag ist noch längst nicht wieder eingekehrt. Einige Menschen sind schon am Arbeiten. Die Schulen, Unis und Kindergärten bleiben weiterhin geschlossen. 

Der Kindergarten, in dem der Lukas arbeitet, hat einen riesigen Schaden davon getragen: Risse in Wänden und Decken. So ist der Kindergarten nicht mehr nutzbar! 

Ein breiter Spalt in der Fahrbahn durchzieht die Straße nach Alto Hospicio, einige Häuser sind eingefallen oder Wände gerissen. 6 Menschen sollen hier im Umkreis durch Herzinfakt oder heruntergefallene Teile zu Tode gekommen sein. 

Ich weiß nicht, was noch alles geschehen ist. Das Ausmaß ist enorm! 

Und weiterhin leben wir hier alle mit der Angst, es könnte ein weiteres Beben folgen. Es ist schlimm, aber mir geht es soweit wirklich gut! Ich hoffe, dass wir von einem weiteren Erdbeben verschont bleiben und dass sich alles ein wenig beruhigt, damit die Menschen irgendwann wieder in den Alltag hinein finden können.

Viele Grüße und danke für die Gebete und die Anteilnahme!

Eure Miriam"

 

Weitere Informationen werden an dieser Stelle folgen...