Der hohe Norden von Chile

Mit seinen rund 200.000 Einwohner ist Iquique die größte Stadt seiner Region, der I. Región - Atacama. 1996 hatte Iquique rund 100.000 Einwohner, heute sind es über 200.000 Einwohner, Tendenz steigend. Der Vorort Alto Hospicio, der bis Anfang der 2000er noch zu Iquique gehörte, hat bereits selbst über 100.000 Einwohner und gilt inzwischen als eigenständige Stadt.
 
Die Menschen kommen und leben aus verschiedenen Gründen hier.
 
So hat Iquique den zweitgrößten Hafen in Chile. Als Tor zu Asien spielt er daher eine große Rolle für Chile und die Nachbarländer Peru und Bolivien. Die Zona Franca Iquique, kurz ZOFRI, gilt als Import- und Shoppingparadies.
 
Die chilenische Regierung findet immer wieder neue Kupfervorkommen in der Wüste, die Mienenarbeiter leben dann meistens in der Stadt und fahren für die Arbeit in die Mienen wie z.B. die Mine Collahuasi. Vereinzelt finden sich immer wieder Plantagen, sowie Salz- und Jodgewinnungsanlagen in der Wüste, auch wenn das Wasser inzwischen aus Bolivien importiert werden muss.
 
Die Strände rund um Iquique ziehen besonders im Sommer Touristen an. Menschen aus Bolivien, Peru und Chile, aber auch Rucksacktouristen aus der ganzen Welt sonnen sich dann an den Stränden. Die nordchilenische Küste ist nämlich auch international unter Surfern bekannt.
 
Iquique glänzt mit seiner Diversität: Während die ZOFRI nach Arbeitern ruft und der Tourismus die Menschen anzieht, gibt es große soziale Unterschiede in den barrios. Die Schere zwischen arm und reich ist hier deutlich zu spüren und zu sehen.
 
Viele Menschen aus Bolivien, Peru und Kolumbien sind auf der Suche nach Arbeit, die Reise nach Iquique hat sie schon das letzte Geld gekostet. Alkohol und Drogen sind manchmal ein Ausweg aus dem Elend, wenn auch für kurze Zeit. Wer keine Arbeit findet driftet ins Drogenmileau ab oder verkauft seinen Körper. Beschaffungskriminalität ist auch unter Minderjährigen ein Thema. Hinzu kommen familieninterne Probleme, Krankheit und fehlende oder schlechte Ausbildung unter den Kindern und Jugendlichen.
 
Wer als Tourist nach Iquique kommt dem mag es oft nicht so erscheinen. Die Strände, die Innenstadt, das Kneipenviertel, die ZOFRI sind schön hergerichtet. Erst wer zwischen die Häuserfassaden, unter die Brücken, hinter die Hügel schaut findet die Menschen die innerlich nach Hilfe rufen.
 
Hier kommt die Initiative des Bruder Paul ins Spiel. Seine gegründete Stiftung sowie andere Gruppen die wir vor Ort unterstützen, bieten einen Ausgang aus dem Teufelskreis von Drogen und Armut.